Portrait Barbara Schwab Züger

Nachhaltig, engagiert und leidenschaftlich im Beerenland

Barbara Schwab Züger ist seit 25 Jahren beim SVIAL und produziert mit grossem Engagement Beeren auf ihrem Betrieb der «Beerenland AG» in Walperswil, BE. Neben der Qualität ist ihr die Nachhaltigkeit besonders wichtig.

Nach dem Studienabschluss im Jahr 1998 zog es Barbara Schwab Züger gemeinsam mit ihrem Mann nach Brasilien, wo sie Erfahrungen sammelte, die sie in persönlicher wie auch beruflicher Hinsicht stark geprägt haben. Während dieser fünf Jahre verfasste sie die Dissertation und baute ein eigenes Unternehmen mit Aquakulturproduktion auf. Mit der Rückkehr in die Schweiz stieg sie in den elterlichen Betrieb ein, den sie 2008 übernommen hat.

Die Beerenland AG

Die heutige Beerenland AG ist seit über 50 Jahren auf Erdbeeren spezialisiert. Erdbeeren sind die ersten einheimischen Früchte, die auf den Markt kommen und der Inbegriff von Frühling. Darum ist die Nachfrage besonders in den Monaten März und April sehr gross. Dann sind aber die Schweizer Erdbeeren noch nicht reif, weshalb rund zwei Drittel der konsumierten Erdbeeren importiert werden müssen.

Auf knapp zwanzig Hektaren werden die Erdbeeren im Beerenland angebaut. Dank unterschiedlichen Anbauverfahren dauert die Erdbeersaison im Betrieb von Anfang Mai bis Ende Oktober. Die Ernte startet im geschützten Anbau, in Folientunneln, in welchen die Pflanzen mit Vlies abgedeckt werden und so rund 2-3 Wochen früher mit der Ernte starten als im Freiland. Der mengenmässige Hauptteil der Ernte kommt von den Freilandfeldern. Dank dem Anbau in Spätlagen (auf knapp 1000 m.ü.M.) kann die Freilandernte auf natürliche Weise verlängert werden. Die Spätsommer- und Herbsternte (August – Oktober) erfolgt dann wiederum im geschützten Anbau in den Folientunnel. Der Anbau im Folientunnel verlängert nicht nur die Erdbeersaison, sondern schützt auch die Ernte vor Unwettern, wie Starkregen oder Hagel. Ausserdem können die Früchte auch bei Regen geerntet werden und der Druck für Botrytis-Krankheiten ist wesentlich geringer. Hinzu kommt, dass Nützlinge im geschützten Anbau effizienter eingesetzt werden können.

Ein Drittel der Erdbeerfläche der Beerenland AG ist im geschützten Anbau. Dort wachsen die Erdbeeren auf Substrat. Das heisst, die Pflanzen wachsen nicht im gewachsenen Boden, sondern in Töpfen, Schalen oder einer Metallrinne, gefüllt mit einem Gemisch aus Kokosfasern, Torfersatz und organischem Material. Die Pflanzen werden mit einem Schlauch bewässert und genährt. Was sie nicht aufnehmen können, wird über eine Drainage-Leitung abgeführt und wiederverwendet. Die Produktion auf Substrat ist kostenintensiver, weshalb diese Beeren hauptsächlich ausserhalb der Haupt-Erdbeersaison verkauft werden. In den verschiedenen Anbausystemen werden unterschiedliche Erdbeersorten eingesetzt, um die Produktion zu optimieren. Ausserdem werden auf dem Betrieb noch Himbeeren, Heidelbeeren, Grünspargel und Äpfel angebaut.

Die Beerenland AG verkauft ihre Früchte über die Kanäle Detailhandel, Grosshandel und Direktverkauf. Die hübschen Verkaufsstände von der Beerenland AG verteilen sich während der Saison in der Region rund um Bern und sind dank der auffälligen Erdbeerform schon von weitem zu erkennen.

Landwirtschaft und Nachhaltigkeit

Neben der Qualität ist die Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen. Dabei wird auf kurze Wege vom Feld bis zum Endkunden geachtet. Die Regionalität spielt insbesondere im Direktverkauf eine wichtige Rolle.

Auf der Gesamtfläche des geschützten Anbaus wird das Regenwasser gesammelt und für die Bewässerung eingesetzt. So können im Durchschnitt knapp 70% der Pflanzen mit Regenwasser bewässert werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und der Einsatz von Nützlingen ist Frau Schwab Züger und ihrem Team ebenso wichtig wie die Belieferung der nahegelegenen Verkaufsstände mit dem eigenen Elektrofahrzeug. Mit der Installation einer grossen Photovoltaikanlage kann Solarstrom für die Bewässerungspumpen, die Kühlanlagen und die Personalunterkünfte genutzt werden. Mit der erzeugten Strommenge von  582 kWp sind sie mengenmässig mehr als nur Selbstversorger.

Zur Verminderung von Food Waste wird die überschüssige Produktion zu Produkten wie Konfitüre, Sirup, Erdbeerdrinks oder Erdbeerschaumwein verarbeitet und veredelt. Ausserdem ist die Beerenland AG Teil vom Erntenetzwerk OGG Bern (Ökonomische Gemeinnützige Gesellschaft Bern). Das heisst, die Erdbeeren, die beim Pflücken hängen geblieben sind, können von Freiwilligen geerntet werden.

Die vierfache Mutter liebt die Vielfalt ihrer Aufgaben und ist täglich mit Herzblut dabei. Sie zeigt mit ihrem Betrieb, durch welche Verfahren und Techniken die Landwirtschaft einen Beitrag zur Senkung der Umwelt- und Klimabelastung leisten kann. Vielen Dank!

 

Interview mit Barbara Schwab Züger

Wo sehen Sie die grössten zukünftigen Herausforderungen des Schweizer Land- und Ernährungssystems?

Als produzierende Landwirtschaft befinden wir uns zunehmend in einem Spannungsfeld und müssen unser Handeln erklären und teils auch rechtfertigen. Unsere Kundschaft hat oftmals keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und deren Abhängigkeit von der Natur und der Witterung. Dieses Sich-erklären-müssen ist eine grosse Herausforderung. Es kann meiner Meinung nach aber auch eine Chance sein, weil wir gezwungen werden, unsere Arbeit immer wieder zu überdenken und zu verbessern.

Was kann der SVIAL zur Entwicklung der Agro-Food-Branche beitragen?

Der SVIAL ist eine Plattform, um Leute miteinander zu vernetzen. Zudem sollten durch die Arbeit des SVIAL aktuelle und zukunftsorientierte Fragestellungen in Form von Referaten, Anlässen und Diskussionen auf den Tisch gebracht werden.

Was wünschen Sie sich vom SVIAL?

Den Bezug zur Praxis nicht verlieren. Netzwerk aufbauen, so dass bereits Studierende den Kontakt zur Praxis aktiv pflegen können. Zudem wünsche ich mir, dass durch die Arbeit des SVIAL kritisch denkende, lösungsorientierte und motivierte junge Leute für die Agro-Food-Branche gewonnen werden können.

 

Nachhaltig, engagiert und leidenschaftlich im Beerenland

Barbara Schwab Züger ist seit 25 Jahren beim SVIAL und produziert mit grossem Engagement Beeren auf ihrem Betrieb der «Beerenland AG» in Walperswil, BE. Neben der Qualität ist ihr die Nachhaltigkeit besonders wichtig.

Nach dem Studienabschluss im Jahr 1998 zog es Barbara Schwab Züger gemeinsam mit ihrem Mann nach Brasilien, wo sie Erfahrungen sammelte, die sie in persönlicher wie auch beruflicher Hinsicht stark geprägt haben. Während dieser fünf Jahre verfasste sie die Dissertation und baute ein eigenes Unternehmen mit Aquakulturproduktion auf. Mit der Rückkehr in die Schweiz stieg sie in den elterlichen Betrieb ein, den sie 2008 übernommen hat.

Die Beerenland AG

Die heutige Beerenland AG ist seit über 50 Jahren auf Erdbeeren spezialisiert. Erdbeeren sind die ersten einheimischen Früchte, die auf den Markt kommen und der Inbegriff von Frühling. Darum ist die Nachfrage besonders in den Monaten März und April sehr gross. Dann sind aber die Schweizer Erdbeeren noch nicht reif, weshalb rund zwei Drittel der konsumierten Erdbeeren importiert werden müssen.

Auf knapp zwanzig Hektaren werden die Erdbeeren im Beerenland angebaut. Dank unterschiedlichen Anbauverfahren dauert die Erdbeersaison im Betrieb von Anfang Mai bis Ende Oktober. Die Ernte startet im geschützten Anbau, in Folientunneln, in welchen die Pflanzen mit Vlies abgedeckt werden und so rund 2-3 Wochen früher mit der Ernte starten als im Freiland. Der mengenmässige Hauptteil der Ernte kommt von den Freilandfeldern. Dank dem Anbau in Spätlagen (auf knapp 1000 m.ü.M.) kann die Freilandernte auf natürliche Weise verlängert werden. Die Spätsommer- und Herbsternte (August – Oktober) erfolgt dann wiederum im geschützten Anbau in den Folientunnel. Der Anbau im Folientunnel verlängert nicht nur die Erdbeersaison, sondern schützt auch die Ernte vor Unwettern, wie Starkregen oder Hagel. Ausserdem können die Früchte auch bei Regen geerntet werden und der Druck für Botrytis-Krankheiten ist wesentlich geringer. Hinzu kommt, dass Nützlinge im geschützten Anbau effizienter eingesetzt werden können.

Ein Drittel der Erdbeerfläche der Beerenland AG ist im geschützten Anbau. Dort wachsen die Erdbeeren auf Substrat. Das heisst, die Pflanzen wachsen nicht im gewachsenen Boden, sondern in Töpfen, Schalen oder einer Metallrinne, gefüllt mit einem Gemisch aus Kokosfasern, Torfersatz und organischem Material. Die Pflanzen werden mit einem Schlauch bewässert und genährt. Was sie nicht aufnehmen können, wird über eine Drainage-Leitung abgeführt und wiederverwendet. Die Produktion auf Substrat ist kostenintensiver, weshalb diese Beeren hauptsächlich ausserhalb der Haupt-Erdbeersaison verkauft werden. In den verschiedenen Anbausystemen werden unterschiedliche Erdbeersorten eingesetzt, um die Produktion zu optimieren. Ausserdem werden auf dem Betrieb noch Himbeeren, Heidelbeeren, Grünspargel und Äpfel angebaut.

Die Beerenland AG verkauft ihre Früchte über die Kanäle Detailhandel, Grosshandel und Direktverkauf. Die hübschen Verkaufsstände von der Beerenland AG verteilen sich während der Saison in der Region rund um Bern und sind dank der auffälligen Erdbeerform schon von weitem zu erkennen.

Landwirtschaft und Nachhaltigkeit

Neben der Qualität ist die Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen. Dabei wird auf kurze Wege vom Feld bis zum Endkunden geachtet. Die Regionalität spielt insbesondere im Direktverkauf eine wichtige Rolle.

Auf der Gesamtfläche des geschützten Anbaus wird das Regenwasser gesammelt und für die Bewässerung eingesetzt. So können im Durchschnitt knapp 70% der Pflanzen mit Regenwasser bewässert werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmitteln und der Einsatz von Nützlingen ist Frau Schwab Züger und ihrem Team ebenso wichtig wie die Belieferung der nahegelegenen Verkaufsstände mit dem eigenen Elektrofahrzeug. Mit der Installation einer grossen Photovoltaikanlage kann Solarstrom für die Bewässerungspumpen, die Kühlanlagen und die Personalunterkünfte genutzt werden. Mit der erzeugten Strommenge von  582 kWp sind sie mengenmässig mehr als nur Selbstversorger.

Zur Verminderung von Food Waste wird die überschüssige Produktion zu Produkten wie Konfitüre, Sirup, Erdbeerdrinks oder Erdbeerschaumwein verarbeitet und veredelt. Ausserdem ist die Beerenland AG Teil vom Erntenetzwerk OGG Bern (Ökonomische Gemeinnützige Gesellschaft Bern). Das heisst, die Erdbeeren, die beim Pflücken hängen geblieben sind, können von Freiwilligen geerntet werden.

Die vierfache Mutter liebt die Vielfalt ihrer Aufgaben und ist täglich mit Herzblut dabei. Sie zeigt mit ihrem Betrieb, durch welche Verfahren und Techniken die Landwirtschaft einen Beitrag zur Senkung der Umwelt- und Klimabelastung leisten kann. Vielen Dank!

 

Interview mit Barbara Schwab Züger

Wo sehen Sie die grössten zukünftigen Herausforderungen des Schweizer Land- und Ernährungssystems?

Als produzierende Landwirtschaft befinden wir uns zunehmend in einem Spannungsfeld und müssen unser Handeln erklären und teils auch rechtfertigen. Unsere Kundschaft hat oftmals keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und deren Abhängigkeit von der Natur und der Witterung. Dieses Sich-erklären-müssen ist eine grosse Herausforderung. Es kann meiner Meinung nach aber auch eine Chance sein, weil wir gezwungen werden, unsere Arbeit immer wieder zu überdenken und zu verbessern.

Was kann der SVIAL zur Entwicklung der Agro-Food-Branche beitragen?

Der SVIAL ist eine Plattform, um Leute miteinander zu vernetzen. Zudem sollten durch die Arbeit des SVIAL aktuelle und zukunftsorientierte Fragestellungen in Form von Referaten, Anlässen und Diskussionen auf den Tisch gebracht werden.

Was wünschen Sie sich vom SVIAL?

Den Bezug zur Praxis nicht verlieren. Netzwerk aufbauen, so dass bereits Studierende den Kontakt zur Praxis aktiv pflegen können. Zudem wünsche ich mir, dass durch die Arbeit des SVIAL kritisch denkende, lösungsorientierte und motivierte junge Leute für die Agro-Food-Branche gewonnen werden können.